Aktuarielles Recruiting 2025 und Ausblick auf 2026

In diesem Artikel gibt Sarah Schadek-Keane, Managing Director des actupool Competence Partners Emerald Group, einen Insider-Einblick in die Erkenntnisse aus den Recruiting-Trends 2025 und deren Auswirkungen auf die aktuarielle Arbeit und den Arbeitsmarkt im Jahr 2026.
Written on 18/12/2025
Visual of article on actuarial recruitment 2025-2026 from Sarah Schadek-Keane, Emerald Group

Recruiting-Trends 2025

Der Arbeitsmarkt für Aktuarinnen und Aktuare blieb 2025 aktiv, veränderte jedoch seinen Charakter im Vergleich zum Einstellungsboom der Vorjahre:

Stabile Nachfrage bei selektivem Wachstum
Die Nachfrage nach aktuariellen Fachkräften blieb bei traditionellen Versicherungsarbeitgebern (Leben, Schaden/Unfall, Kranken) insgesamt hoch – zugleich rückten spezialisierte Kompetenzen stärker in den Fokus. Auf der Schaden-/Unfall-Seite (P&C) war die Nachfrage nach Pricing-Aktuar:innen besonders ausgeprägt. Viele dieser Rollen sind jedoch weniger klassisch im Pricing verortet, sondern zunehmend daten- bzw. machine-learning-getrieben. Insgesamt zeigt sich, dass sich Fachbereiche schrittweise mit anderen Expertisen verzahnen und breitere Profile an Bedeutung gewinnen, weil die Rollenanforderungen weiter steigen. Neben Pricing nahm auch die Nachfrage nach Data Scientists mit aktuariellem Domänenwissen zu. Gleichzeitig blieb die Suche nach Aktuar:innen für Kapital- und Risikomodelle intensiv – ebenso wie nach Reserving-Spezialist:innen, die sicher im Umgang mit prädiktiven Methoden sind.

Hybrid- und Remote-Fähigkeiten sowie wettbewerbsfähige Qualifikationen
Die Ausgestaltung des Arbeitsplatzes bleibt auch 2025 ein wichtiger Faktor. Remote- und Hybrid-Modelle sind für viele aktuarielle Teams zum Standard geworden. Das erweitert die geografische Reichweite der Rekrutierung, erhöht aber zugleich den Wettbewerb um Top-Talente.

Parallel dazu beobachten wir einen anhaltenden Fokus auf lebenslanges Lernen. Zusätzlich gewinnen formale Qualifikationen wie Associateships und Fellowships weiter an Wertschätzung, ergänzt durch Weiterbildungen in Analytics, Programmierung (Python/R) und Cloud Computing.

Gehalts- und Total-Rewards-Dynamik
Während das Wachstum der Grundgehälter im Vergleich zu den Spitzen der Jahre 2023–24 moderat ausfiel, haben viele Arbeitgeber ihre Zusatzleistungen ausgebaut. Häufig sind diese stärker an Karrierepfade, flexible Arbeitsmodelle und projektbezogene Anreizsysteme gekoppelt – mit dem Ziel, aktuarielle Fachkräfte zu gewinnen und langfristig zu binden.

Erwartungen für die aktuarielle Rekrutierung 2026

Anhaltende Nachfrage – insbesondere in Wachstumsfeldern
In der aktuariellen Rekrutierung erwarten wir weniger eine deutliche Veränderung der Gesamtnachfrage als vielmehr eine Verschiebung der Schwerpunkte in ausgewählten Bereichen. Aufgrund regulatorischer Anpassungen rechnen wir mit mehr Rollen im Enterprise Risk Management, da Versicherer ihre Risikorahmen weiter ausbauen. Zudem ist angesichts fortlaufender globaler Entwicklungen wahrscheinlich, dass der Bedarf an Spezialist:innen für Katastrophen- und Klimarisikomodellierung weiter steigt.

Kandidat:innen mit Erfahrung in Datenanalyse und AI Governance werden weiterhin gefragt sein, weil sie als Schnittstelle zwischen aktuariellen und technologischen Funktionen fungieren. Insgesamt werden aktuarielle Rollen zunehmend interdisziplinär und verbinden Finance, Data Science sowie regulatorische Modellierung.

Fokus auf Upskilling, kontinuierliche Entwicklung und strategische Talent-Pipelines
Aktuarielle Führungskräfte werden Lernökosysteme innerhalb von Organisationen stärker priorisieren – etwa Praktika, Ausbildungsprogramme (Apprenticeships), interne Rotationsprogramme und geförderte Zertifizierungspfade –, um den Kompetenzaufbau in neuen Themenfeldern zu beschleunigen.

Zudem erwarten wir, dass Arbeitgeber ihre Zusammenarbeit mit universitären Aktuariatsprogrammen sowie Apprenticeships mit Schwerpunkt Analytics und prädiktive Modellierung weiter vertiefen.

Fazit

Für Aktuar:innen war 2025 weniger ein Jahr spektakulären Wachstums, sondern vielmehr geprägt vom Umgang mit sich wandelnden Risiken, der Weiterentwicklung technischer Frameworks und der stärkeren Integration von Daten in die Aktuarswissenschaft. Der Arbeitsmarkt spiegelt diesen Wandel wider: Die Nachfrage konzentriert sich auf Analytics, Risikomodellierung und strategische Funktionen. Mit Blick auf 2026 sind insbesondere jene Aktuar:innen gut positioniert, die an der Schnittstelle zwischen klassischer aktuarialer Praxis und neuen Technologien arbeiten – und so Mehrwert schaffen sowie ihre Organisationen sicher durch zunehmende Komplexität führen können.

Kontakt zur Autorin

Sarah Schadek-Keane
Managing Director | International Actuarial

T: +49 (0)170 7335605
sarah.schadek-keane@emerald-group.com
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