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Der 1,7-Billionen-Euro-Umbau: Was Aktuarinnen und Aktuare von den Niederlanden lernen können

Europäische Pensionsfonds stehen vor einer Phase, in der sie Resilienz und tiefgreifenden Wandel gleichzeitig bewältigen müssen. EIOPA nennt in ihren Risk Dashboards vom April und Juli 2026 Marktrisiken als zentrales Thema vor dem Hintergrund geopolitischer Unsicherheit. Das Juli-Dashboard, das auf regulatorischen Meldedaten von 625 Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung (EbAV/IORPs) basiert, verweist auf höhere Inflationserwartungen, schwächere Wachstumsaussichten, einen sich verschlechternden Marktrisiko-Ausblick für die kommenden zwölf Monate sowie zunehmende Digitalisierungs- und Cyberrisiken. Gleichzeitig bewertet EIOPA den Sektor als widerstandsfähig, gestützt auf robuste finanzielle Positionen der leistungsorientierten Systeme. Für Aktuarinnen und Aktuare wird die Pensionsarbeit damit nicht mehr nur von langfristigen Verpflichtungen geprägt, sondern zunehmend auch von volatilen Märkten, operativer Resilienz und sich verändernden Systemdesigns.
Written on 25/09/2026
Euro Notes and Coin in colours of netherland flag.

Die Niederlande liefern dafür das derzeit prominenteste Praxisbeispiel in Europa. Der Future of Pensions Act, der seit 1. Juli 2023 gilt, stellt die betriebliche Altersversorgung von Defined Benefit auf Defined Contribution um. Wie Marit Kosmeijer in der YAI-Connect-Session "Moving Europe's Largest DB System to DC" erläuterte, schafft die Reform zudem das bisherige Durchschnittsbeitragssystem ab, verknüpft Ansprüche klarer mit individuellen Pensionskonten und ermöglicht kollektiven Risikoausgleich über einen Solidaritätspuffer oder eine Risikoteilungsreserve. Die Umstellung muss spätestens zum 1. Januar 2028 abgeschlossen sein.

Das Ausmaß ist außergewöhnlich: Zum 30. Juni 2026 verwalteten niederländische Pensionsfonds 1,72 Billionen Euro. 34 Fonds mit zusammen 589 Milliarden Euro waren bereits in das neue System überführt; 1,131 Billionen Euro lagen noch bei Fonds unter dem bisherigen Financial Supervision Framework (FTK). Zum 1. Juli meldete DNB 38 umgestellte Pensionsfonds und vier abgegrenzte Teilfonds; deutlich mehr als 100 weitere sollten folgen.

Für Aktuarinnen und Aktuare ist die Umstellung weit mehr als eine Änderung der Bewertungsmethodik. DNB verlangt, das kollektiv aufgebaute Pensionskapital in einem transparenten, kontrollierten und sorgfältigen Prozess auf individuelle Pensionskonten zu übertragen und die Interessen der Mitglieder ausgewogen zu berücksichtigen. Robuste Berechnungen, hohe Datenqualität und belastbare IT-Systeme sind deshalb zentral. Gleichzeitig wird das Anlagerisiko stärker an Alter und Risikobereitschaft gekoppelt; Mitglieder müssen verstehen, dass prognostizierte Leistungen je nach Anlageergebnis steigen oder fallen können.

Damit wird auch Kommunikation zu einem Teil der technischen Herausforderung. Im Februar 2026 berichtete die niederländische AFM, dass 63 % der 24 zuletzt geprüften Kommunikationspläne zur Umstellung kein Berechnungsdatum für die im prognostizierten Übergangsüberblick verwendeten Teilnehmerdaten nannten. Die Aufsicht erwartet, dass Kommunikation als Kernprozess in Governance und Entscheidungsfindung verankert und regelmäßig evaluiert wird.

Die niederländische Reform vermittelt damit auch eine breitere berufliche Botschaft: Der Wechsel von DB zu DC verringert den Bedarf an aktuarieller Expertise nicht - er verschiebt, wo diese Expertise Wert schafft. Transitionsmodellierung, intergenerationelle Fairness, Investment- und Risikoanalyse, Data Governance, IT-Kontrollen und verständliche Mitgliederkommunikation greifen immer stärker ineinander. Für Aktuarinnen und Aktuare in Europa zeigen die Niederlande, wie Pensionsarbeit aussieht, wenn technische Urteilsfähigkeit nicht nur ein bestehendes System absichert, sondern dessen Neugestaltung mitprägt.

Die vollständige YAI-Connect-Session mit Marit Kosmeijer ist auf actuview verfügbar.

Quellen