Ausblick: Was der nächste Wandel der Arbeitswelt für Aktuare und Versicherer bedeutet

Sieben von zehn Führungskräften geben an, dass ihre wichtigste Wettbewerbsstrategie für die kommenden drei Jahre darin besteht, schnell und agil zu sein, und 67 % sagen, dass künftige Vorteile eher aus Geschwindigkeit als aus Größe entstehen werden. Gleichzeitig hinken die meisten Unternehmen noch hinterher: 88 % halten die dynamische Orchestrierung von Menschen, Kompetenzen und Ressourcen für hoch wichtig, aber nur 7 % sagen, dass sie dabei große Fortschritte machen.
Für die aktuariellen Tätigkeiten weist dies auf eine klare Verschiebung hin: Aktuarinnen und Aktuare werden nicht nur für technische Modellierung geschätzt werden, sondern auch dafür, eine verlässliche Interaktion zwischen Mensch und KI in der Tarifierung, der Reserveberechnung, dem Kapitalmanagement und bei schadensbezogenen Entscheidungen zu gestalten. Deloitte stellt fest, dass sich nur 14 % der Führungskräfte geübt darin fühlen, Mensch-KI-Interaktionen zu gestalten, während 59 % weiterhin einen überwiegend technologiezentrierten KI-Ansatz verfolgen. Die Studie deutet darauf hin, dass dieser Ansatz tendenziell geringere KI-Erträge erzeugt als ein menschenzentrierter Ansatz. In hochkritischen Funktionen wie in der Versicherungswirtschaft ist dies besonders relevant, weil 60 % der Führungskräfte KI bereits zur Unterstützung von Entscheidungen einsetzen, aber nur 5 % angeben, dass ihre Organisationen bei der Governance KI-gestützter Entscheidungsfindung führend sind.
Für Versicherungsunternehmen legt der Bericht nahe, dass die zentrale Herausforderung nicht nur darin besteht, KI schneller einzuführen, sondern auch Vertrauen, Governance und die richtige Kultur darum herum aufzubauen. Nur 5 % der Organisationen machen große Fortschritte bei der Verbesserung der Qualität und Vertrauenswürdigkeit von Arbeits- und Belegschaftsdaten, obwohl eine geringe Datenauthentizität Marke, Finanzen und operative Abläufe beeinträchtigen kann. Das ist für Versicherer besonders relevant, da Underwriting, Schadenbearbeitung, Betrugserkennung und Reserveberechnung von robusten Daten und verantwortbaren Entscheidungen abhängen. Deloitte hebt zudem kulturelle Hürden hervor: 34 % der Organisationen sehen Kultur bereits als direkten Hemmschuh für die KI-Transformation, 65 % glauben, dass sich die Kultur aufgrund von KI deutlich verändern muss, aber nur 5 % berichten von starken Fortschritten.
Daraus ergeben sich neue Anforderungen für Aktuarinnen und Aktuare. Neben technischer Exzellenz werden sie eine stärkere KI-Kompetenz, ein fundiertes Urteil darüber, wann menschliches Eingreifen erforderlich ist, und eine engere Zusammenarbeit mit den Bereichen Daten, Risiko, Compliance, IT und Business benötigen. Der Bericht signalisiert zudem eine Lernherausforderung: Nur 27 % der Befragten sind der Ansicht, dass ihre Organisation Veränderungen wirksam steuert, und lediglich 8 % sagen, dass sie die Anforderungen an kontinuierliches Lernen hoch wirksam erfüllt. Für aktuarielle Fachkräfte wird es daher bedeuten, relevant zu bleiben, indem sie quantitative Expertise mit Governance, Erklärbarkeit, Anpassungsfähigkeit und bereichsübergreifender Entscheidungsunterstützung verbinden.
Mit Blick nach vorn ist die Richtung klar: KI wird tiefer in Entscheidungen und operative Modelle eingebettet werden, doch Wettbewerbsvorteile werden daraus entstehen, wie gut Organisationen menschliche Expertise darum herum orchestrieren. Deloitte verweist auf eine Prognose, wonach bis 2027 die Hälfte aller Geschäftsentscheidungen durch KI-Agenten unterstützt oder automatisiert werden könnte. Gleichzeitig sagen 49 % der Führungskräfte, dass digitale Zwillinge für den Erfolg wichtig sein werden, und 52 % halten es in den kommenden drei Jahren für wichtig, KI zu nutzen, um Veränderungssignale zu überwachen und Maßnahmen auszulösen. Für Aktuarinnen und Aktuare deutet dies auf eine künftige Rolle hin, die weniger auf das isolierte Erstellen von Berechnungen ausgerichtet ist und stärker darauf, Daten zu validieren, den Modelleinsatz zu beherrschen, Ergebnisse in verantwortbare Geschäftsentscheidungen zu übersetzen und Vertrauen in einem zunehmend automatisierten Versicherungsumfeld zu sichern.