In der globalen Versicherungsbranche verschieben sich die Dynamiken: Fragmentierung und Marktturbulenzen

Die globale Versicherungsbranche tritt ein in eine Phase langsameren Wachstums und zunehmender Komplexität. Laut dem aktuellen Sigma Report des Swiss Re Institute wird das Prämienwachstum im Jahr 2025 voraussichtlich deutlich abflachen – bedingt durch makroökonomische Herausforderungen, politische Unsicherheiten und sich verändernde geopolitische Dynamiken. Das weltweite reale BIP-Wachstum wird auf 2,3 % im Jahr 2025 prognostiziert (nach 2,8 % im Jahr 2024), was sowohl den Lebens- als auch den Schaden-/Unfallversicherungssektor beeinträchtigen dürfte.
Makroökonomisches Umfeld und Handelspolitik
Ein zentrales Thema des Berichts ist die wirtschaftliche Auswirkung neuer US-Zölle – aktuell auf dem höchsten Stand seit der Großen Depression. Der effektive Basiszollsatz beträgt nun 15 %, ergänzt durch sektorspezifische Zölle (z. B. 25 % auf Autos) und länderspezifische Maßnahmen (z. B. bis zu 145 % auf chinesische Waren), was zu einer zunehmend fragmentierten Handelslandschaft führt. Diese Maßnahmen dürften in den USA die Inflation anheizen, während sie in Europa und China zu desinflationären Effekten führen können.
Die Folgen für die Versicherungswirtschaft sind vielschichtig. In den USA wird erwartet, dass die Zölle zu einer steigenden Schadenhöhen in Bereichen wie Kfz- und Bauversicherung führen. So sollen die Kosten für Reparatur und Ersatzteile im Kfz-Bereich 2025 um 3,8 % steigen (im Gegensatz zu einem zuvor erwarteten Rückgang), die Baukosten um 3,6 %. Diese Anstiege bleiben jedoch deutlich unter dem zweistelligen Inflationsniveau von 2021 und 2022.
Außerhalb der USA dürften die Auswirkungen auf den Versicherungssektor begrenzt bleiben – und könnten in manchen Fällen sogar inflationsdämpfend wirken. Dennoch wird ein verlangsamtes Wirtschaftswachstum voraussichtlich die Nachfrage in bestimmten Sparten verringern, insbesondere in solchen mit Bezug zum internationalen Handel, wie Transport-, Warenkredit- und Technische Versicherungen.
Ausblick für den Versicherungsmarkt
Die weltweiten Versicherungsprämien sollen 2025 real um 2 % wachsen, nach 5,2 % im Jahr 2024. Für den Schaden-/Unfallbereich wird ein Wachstum von 2,6 % erwartet, im Lebensversicherungsbereich lediglich 1,0 %. Die Verlangsamung im Lebensbereich folgt auf ein starkes Vorjahr (+6,1 %) und spiegelt veränderte Kundenpräferenzen in unsicheren Finanzmärkten wider – mit zunehmender Nachfrage nach Sparprodukten mit Kapitalgarantie.
Trotz des schwächeren Wachstums bleiben die Ertragsaussichten in beiden Bereichen positiv. Im Schaden-/Unfallbereich wird die Kapitalanlage zunehmend zum entscheidenden Ertragsfaktor, mit einer prognostizierten Eigenkapitalrendite von 9,7 % ab 2025. Auch Lebensversicherer profitieren von höheren Anlagerenditen – die Kapitalrendite soll bis 2027 auf 4,0 % steigen.
Langfristiger Ausblick
Der Bericht weist darauf hin, dass die anhaltende geopolitische und wirtschaftliche Fragmentierung strukturelle Herausforderungen für die Versicherungsbranche mit sich bringen könnte. Beispielsweise könnten eingeschränkte Kapitalströme und eine geringere internationale Risikodiversifikation zu ineffizienterer Kapitalallokation, höheren Versicherungskosten und wachsenden Absicherungslücken führen. Zwar zeigt sich die Branche bislang widerstandsfähig – wie etwa der Kapitalüberschuss von 1,1 Billionen USD im US-Sachversicherungssektor Ende 2024 –, doch der Anpassungsdruck an ein stärker regional geprägtes und weniger vorhersehbares Umfeld wächst.
Den vollständigen sigma-Bericht finden Sie auf der Website des Swiss Re Institutes.