Ihre digitale Präsenz ist ein Karrierewert: Behandeln Sie sie entsprechend

Whether we actively shape it or not, our digital presence has become part of our long-term career profile. In this guest article, Sarah Schadek-Keane goes into detail on some points that she touched on in her talk at the YAI Career Day 2026 on the topic of “Translating your Social Media Network into Connections”.
Veröffentlicht am 17.06.2026
Visual of guest author Sarah Schadek-Keane from Emerald Group

Gastbeitrag von Sarah Schadek-Keane, Managing Director - International Actuarial, Underwriting & Claims bei Emerald Group.

Für Aktuare wird fachliche Expertise immer zentral bleiben. In der heutigen beruflichen Umgebung muss diese Expertise jedoch auch sichtbar, glaubwürdig und bewusst gesteuert sein. Ob wir sie aktiv gestalten oder nicht: Unsere digitale Präsenz ist Teil unseres langfristigen Karriereprofils geworden.

Das ist besonders für junge Aktuarinnen und Aktuare relevant. Arbeitgeber, Recruiter und erfahrene Entscheidungsträger gewinnen zunehmend Eindrücke über online verfügbare Informationen: LinkedIn-Profile, geteilte Artikel, Kommentare, Konferenzaktivitäten und sichtbare berufliche Netzwerke. Ein digitaler Fußabdruck ist nicht einfach nur eine Sammlung von Beiträgen. Er ist ein Strom öffentlich zugänglicher Daten. Er ist auffindbar, dauerhaft, leicht per Screenshot festzuhalten und nach der Veröffentlichung nur schwer vollständig zu kontrollieren.

Das bedeutet nicht, dass Aktuarinnen und Aktuare digitale Plattformen meiden sollten. Im Gegenteil: Eine durchdachte Online-Präsenz kann zu einem Karrierewert werden, der mit der Zeit an Wirkung gewinnt. Die richtige Sichtbarkeit kann zu mehr eingehenden Anfragen von Recruitern führen, die Wahrnehmung in Gremien oder Advisory Boards unterstützen, die Anerkennung durch Peers stärken und langfristig berufliche Optionen eröffnen. Strategisch aufgebaute Sichtbarkeit kann Türen öffnen, lange bevor jemand aktiv nach einer neuen Position sucht.

Die Herausforderung besteht darin, beide Seiten der Gleichung zu steuern: Chancen und Risiken.

In einem regulierten und reputationssensiblen Berufsfeld sollten digitale Risiken nicht unterschätzt werden. Es gibt Tail Risks, etwa virale Fehlinterpretationen oder die Verstärkung von Aussagen durch Screenshots. Es gibt kritische Risiken, darunter Kommentare zu regulatorisch sensiblen Themen, Kritik am Arbeitgeber oder unbeabsichtigte Hinweise auf vertrauliche Inhalte. Und es gibt eine leisere Form der Reputationsverschiebung: Wenn zu viele belanglose Inhalte, eine zunehmend lockere Tonalität oder wenig werthaltige Interaktionen die professionelle Glaubwürdigkeit nach und nach schwächen.

Für Aktuare sollte die Frage daher nicht lauten: „Sollte ich online sichtbar sein?“ Die bessere Frage ist: „Was sollte meine Sichtbarkeit über meine Expertise, mein Urteilsvermögen und meine berufliche Richtung aussagen?“

Ein starkes LinkedIn-Profil ist ein guter Ausgangspunkt. Zu viele Profile bleiben allgemein: breite Headlines, reine Aufgabenlisten, vage „About“-Bereiche und zu viele wenig unterscheidbare Skills. Ein stärkeres Profil zeigt eine klare Spezialisierung, etwa Life Insurance, P&C, Pricing, Capital Modelling, Risk, Data Science oder Analytics. Es macht quantifizierte Erfolge, technische Tools und professionelle Glaubwürdigkeit sichtbar, einschließlich aktuarieller Qualifikationen, Prüfungsfortschritt oder relevanter Zertifizierungen. Vor allem zeigt es Business Impact: wie jemand Entscheidungen beeinflusst, Prozesse verbessert, Erkenntnisse kommuniziert oder zu messbaren Ergebnissen beigetragen hat. 

Dafür ist kein ständiges Posten notwendig. Tatsächlich ist bewusste Beteiligung deutlich wertvoller als ungesteuerte Sichtbarkeit. Einen relevanten Branchenartikel zu teilen, einen fachlichen Kommentar zu einem technischen Thema zu verfassen, die Teilnahme an einer Konferenz sichtbar zu machen oder sich an professionellen Diskussionen zu beteiligen, kann bereits ausreichen, um glaubwürdig sichtbar zu werden.

Ein einfacher digitaler Selbstcheck kann helfen. Erstens: Suchen Sie online nach sich selbst und prüfen Sie, was angezeigt wird. Zweitens: Optimieren Sie Ihr Profil mit einer klaren Headline und Belegen für Ihren Impact. Drittens: Richten Sie Ihre Inhalte an Ihrem Fachgebiet aus. Viertens: Nutzen Sie vor dem Veröffentlichen einen kurzen Filter: Wäre es für mich in Ordnung, wenn mein Arbeitgeber, eine Aufsichtsbehörde, ein Kunde oder ein zukünftiges Auswahlgremium diesen Beitrag sehen würde?

Auch eine gute Governance ist wichtig. Prüfen Sie Ihre Privatsphäre-Einstellungen jährlich. Machen Sie sich mit den Richtlinien Ihres Arbeitgebers vertraut. Ziehen Sie in Betracht, private und berufliche Accounts zu trennen. Und vermeiden Sie emotionales Posten in Echtzeit, insbesondere bei sensiblen Branchen-, Arbeitsplatz- oder Regulierungsthemen.

Für junge Aktuare sollte die digitale Identität wie jeder andere professionelle Wert behandelt werden: bewusst aufgebaut, regelmäßig überprüft und durch sinnvolle Kontrollen geschützt. Das Ziel ist nicht, eine perfekte Online-Persona zu schaffen. Es geht darum sicherzustellen, dass die sichtbare berufliche Präsenz die Qualität der eigenen Expertise, das eigene Urteilsvermögen und die Karriere widerspiegelt, die man aufbauen möchte.

Sehen Sie sich die Aufzeichnung von Sarahs Vortrag „Social Media Networks & Managing Digital Risks in a Professional Environment“ auf actuview an.