Ausblick auf aktuarielle Karrieren in 2026: Modernisierung wird zum Job

Auch das „Warum“ hat sich verschoben: 94% nennen Effizienz als wichtigsten Treiber, während regulatorische bzw. bilanzielle Änderungen von 77% auf 54% zurückgingen – ein Signal, dass Vorstände nach IFRS 17/LDTI nun messbare Vorteile bei Kosten und Durchlaufzeiten erwarten. Dieser Wandel prägt auch Karrierepfade. Fünf Rollen dürften 2026 besonders relevant sein:
1) Architekt:in aktuarieller Automatisierung & Kontrollen
Die Automatisierungsreife bleibt insgesamt eher moderat (durchschnittliche Selbsteinschätzung 2,5/5 über aktuarielle Aufgaben hinweg). Entsprechend steigt die Nachfrage nach Aktuar:innen, die End-to-End-Workflows (Erfahrungsanalysen, Annahmen-Governance, Reporting) neu gestalten und Kontrollen, Audit-Trails sowie Abstimmungen von Beginn an integrieren – damit Effizienzgewinne nicht zulasten der Governance gehen.
2) Data Product Owner & Übersetzer:in zwischen Analytics und Fachbereich
Die Studie quantifiziert den Daten-„Bremsklotz“ deutlich: 65% verbringen mehr als 50% ihrer Zeit mit Daten. Zugleich möchten 69% der Teilnehmenden weniger als 25% der Zeit dafür aufwenden.
Berücksichtigt man, dass 78% eine „Single Source of Truth“ als „sehr wichtig“ einstufen, aber nur 42% tatsächlich auf eine solche zugreifen können, wird klar: Aktuar:innen, die Datenanforderungen präzise definieren, mit IT an ETL/Pipelines zusammenarbeiten und entscheidungsreife Konzepte aufbauen, werden zu echten Karrierebeschleunigern.
3) Verantwortliche:r für GenAI-Governance & KI-gestützte:r Modellierer:in
GenAI entwickelt sich von Pilotprojekten hin zu strukturierter Umsetzung: 32% haben das Sammeln von Use Cases abgeschlossen; 45% erwarten, dass Governance-Frameworks, und 47%, dass Upskilling-Maßnahmen innerhalb der nächsten zwei Jahre abgeschlossen sein werden.
Hürden sind dabei vor allem pragmatischer (40–50% nennen Kapazitäten oder Kosten), weniger kultureller Natur. So verweisen z.B. nur 17% der Befragten auf fehlenden Rückhalt des Top-Managements. Daraus entstehen Rollen rund um Responsible AI, Modelldokumentation, kontrolliertes Prompting und Human-in-the-loop-Validierung.
4) Strateg:in für Cloud & Modelling-Ökosysteme (Actuarial FinOps)
Mit skalierenden Modellläufen wird die Rechenökonomie zur aktuariellen Kernfrage. Bei großen Unternehmen liegen die durchschnittlichen jährlichen Cloud-Nutzungskosten bei 1,8 Mio. USD und auf Augenhöhe mit Softwarelizenzgebühren (ebenfalls 1,8 Mio. USD).
2026 werden daher Aktuar:innen, die Laufzeiten optimieren, Plattformen konsolidieren (viele streben 1–2 an) und Cloud- sowie Vendor-Governance steuern, sowohl Geschwindigkeit als auch Kosten spürbar beeinflussen.
5) Transformation Business Partner (FP&A / Enterprise Reporting)
Aktuar:innen werden zunehmend in unternehmensweite Initiativen eingebunden: 75% berichten von aktuariellem Engagement in Data Science & Analytics und 77% in AI/GenAI-Fähigkeiten. Zugleich sagen nur 45 - 55%, dass Aktuar:innen ausreichend in Data-Science-, GenAI- und Cloud-Initiativen involviert sind.
Diese Lücke schafft Chancen für Aktuar:innen, die zwischen Finance, Tech und Risk vermitteln und Anforderungen frühzeitig mitgestalten.
Was könnte sich 2026 im aktuariellen Alltag ändern?
Weniger Zeit für das „Zusammenbauen“ von Ergebnissen, dafür mehr Zeit für das Orchestrieren ganzer Ökosysteme: Data Governance, Automatisierung, Vendor-/Offshore-Koordination und narrative Einordnung. Upskilling ist inzwischen selbst ein Modernisierungstreiber: „Upskilling oder Reduktion von Key-Person-Risk“ stieg in der Befragung von 19% auf 39%.
Aus dem Bericht lässt sich schlussfolgern: Der Aktuar bzw. die Aktuarin 2026 wird nicht durch KI ersetzt – vielmehr entwickelt sich die Rolle weiter: Vertrauen, Kontrollen und Entscheidungswirkung werden genauso wichtig wie technische Genauigkeit.
Dieser Artikel basiert auf Ergebnissen der PwC Global Actuarial Modernization Survey.