Workforce 2026: Was Aktuarinnen und Aktuare über Gartners Future-of-Work-Trends wissen sollten

Ein Kernpunkt: Viele Unternehmen haben bereits umfassende Personal- und Organisationsanpassungen vorgenommen – in Erwartung KI-getriebener Produktivitätsgewinne, teils bevor diese nachweislich eingetreten sind. Auffällig ist, dass nur ein kleiner Teil der Entlassungen 2025 direkt auf KI-bedingte Arbeitsersetzung zurückgeführt wurde. Für aktuarielle Teams bedeutet das: Der Druck, „mehr mit weniger“ zu leisten, dürfte steigen – auch dort, wo Qualität, Governance und Validierung nicht beliebig beschleunigt werden können. Damit wächst der Bedarf an Szenarien für Workforce und Operating Model: Wie verändern sich Umsetzungsrisiko, Kontrollrisiko und Entscheidungsqualität, wenn Kapazitäten reduziert werden, bevor Automatisierungsnutzen verlässlich belegt ist?
Parallel dazu beschreibt Gartner eine wachsende Kluft zwischen Leistungserwartungen und dem, was Mitarbeitende im Gegenzug erhalten – etwa bei Vergütung, Flexibilität oder Unterstützung. Diese „culture dissonance“ kann in hochspezialisierten analytischen Funktionen rasch zu Bindungsproblemen führen, institutionelles Wissen ausdünnen und das Modellrisiko erhöhen. Für Aktuarinnen und Aktuare in cross-funktionalen Umfeldern wird damit kulturelles Verständnis zur Leistungsdimension: Technische Exzellenz allein reicht nicht, wenn Teams überlastet sind, Fluktuation zunimmt oder Zusammenarbeit unter widersprüchlichen Erwartungen leidet.
Gartner betont außerdem die weniger sichtbaren Kosten der KI-Einführung. KI kann Prozesse vereinfachen, zugleich aber kognitive Belastung, Unsicherheit und Überabhängigkeit erhöhen – bis hin zu Risiken rund um mentale Fitness und „disordered AI use“. Für eine Profession, deren Glaubwürdigkeit auf Urteilsfähigkeit und Nachvollziehbarkeit beruht, ist die Folgerung eindeutig: KI muss Reibung reduzieren und Erkenntnisse vertiefen – nicht ungeprüfte Outputs beschleunigen. Bewährte Leitplanken sind klare Qualitätsstufen, Peer Reviews, robuste Modell-Governance und eine lückenlose, transparente Dokumentation.
Eng damit verbunden ist der Trend zu niedrigqualitativen KI-Ergebnissen, die mehr Prüfaufwand erzeugen, als sie einsparen – häufig als „workslop“ bezeichnet. Im aktuarialen Alltag zeigt sich das z. B. in plausibel klingenden Zusammenfassungen, automatisch generierten Code-Fragmenten oder „fast richtigen“ Analysen, die intensive Gegenchecks erfordern. Hier kann der Berufsstand seine Stärke ausspielen: Qualität vor Geschwindigkeit. KI sollte dort eingesetzt werden, wo sie Robustheit tatsächlich erhöht (z. B. bei repetitiver Datenaufbereitung oder als erster Report-Entwurf), während Annahmen, Validierung und Interpretation klar in der Verantwortung verantwortlicher Expertinnen und Experten bleiben.
Auch die Rekrutierung verändert sich: von automatisiertem Screening bis zu neuen Ansätzen zur Erkennung von Bewerbungsbetrug. Für die aktuarielle Personalauswahl ist das ein Doppelsignal: Unternehmen brauchen bessere Verfahren, um echtes analytisches Denken jenseits glatt polierter, KI-unterstützter Bewerbungen zu erkennen. Gleichzeitig gewinnen Assessment-Formate an Bedeutung, die Denken, Kommunikation und professionelles Urteilsvermögen prüfen – schwer zu imitierende Fähigkeiten, die in regulierten Branchen zentral sind.
Ein weiterer Schwerpunkt sind Sicherheits- und Insider-Risiken. Mit der breiten Integration von KI in Arbeitsabläufe wächst die Angriffsfläche – von Datenabfluss über Wirtschaftsspionage bis zum Missbrauch interner Systeme. Aktuarinnen und Aktuare können hier Mehrwert leisten, indem sie wirtschaftliche Auswirkungen quantifizieren, Kontrollen mitgestalten und Zielkonflikte zwischen Zugänglichkeit, Produktivität und Schutz modellieren – insbesondere bei personenbezogenen Daten und proprietären Modellen.
Mit Blick auf Karrierepfade erwartet Gartner mehr hybride Rollen und stärker „KI-resistente“ Skill-Kombinationen. Für den aktuarialen Bereich unterstreicht das den Wert breiter Kompetenzprofile: Domänenwissen plus Datenkompetenz, Prozessverständnis, Stakeholder-Management und Kommunikation. Passend dazu: Den größten Nutzen aus KI ziehen häufig nicht die technisch spezialisiertesten Personen, sondern diejenigen mit starkem Prozess-Know-how – sie gestalten Workflows neu, schärfen Entscheidungspunkte und verankern Governance. Genau hier liegt eine typische Stärke aktuarieller Arbeit: Komplexität in kontrollierbare Prozesse und belastbare Entscheidungen zu übersetzen. Damit sind Aktuarinnen und Aktuare prädestiniert, KI-gestützte Transformation aktiv zu führen – statt Tools nur zu übernehmen.
Abschließend verweist Gartner auf Debatten rund um „digitale Doppelgänger“ – KI-basierte Repliken von Top-Performern – und die Frage, wie Mitarbeitende für den Wert ihrer Daten und Expertise vergütet werden könnten, die in Trainingssysteme einfließen. Auch wenn das futuristisch wirkt, berührt es unmittelbar Themen wie geistiges Eigentum, Verantwortlichkeit, Datenrechte und Anreize. Je enger Mensch und KI zusammenarbeiten, desto konkreter werden Fragen nach Ownership, Consent und Remuneration – gerade in wissensintensiven Berufen.
In Summe zeichnen Gartners Trends für 2026 ein Bild: KI-Adoption ist real, aber uneinheitlich; Effizienzdruck bleibt hoch; und der Unterschied entsteht weniger durch Tool-Nutzung als durch disziplinierte, menschenzentrierte Umsetzung. Für Aktuarinnen und Aktuare ist die Chance klar: mit rigorosem Denken, starker Governance und risikobewusster Entscheidungslogik dafür zu sorgen, dass KI Ergebnisse verbessert, ohne Vertrauen, Qualität und professionelles Urteilsvermögen zu beschädigen.
Weitere Informationen finden Sie auf der Website von Gartner.